Resat Yilmaz, in memoriam

Es ist bezeichnend, dass ich von Resat Yilmaz nach zehnjähriger Zusammenarbeit kein Foto habe, das ihn von vorne oder im Vordergrund zeigt. Nur im Hintergrund ist er hier und da auf Bildern und Tonaufnahmen aus einem Jahrzehnt zu sehen oder hören. Sein Name ist nie aufgetaucht in meinen Berichten und Beiträgen aus Südostanatolien, das wir zusammen immer wieder kreuz und quer durchstreift haben, bei Eiseskälte und glühender Hitze, in Krieg und relativem Frieden – mit Rebellen und mit regierungstreuen Milizionären, bei den Opfern der einen wie der anderen Seite, bei verheizten Männern und verkauften Frauen, und immer wieder am Ilisu-Staudamm. Fahrer werden nun einmal nicht genannt in der Autorenzeile, auch wenn sie oft weit wichtiger sind für unsere Arbeit, als wir damit öffentlich zugeben. Resat Yilmaz war einer der besten; er hat an allen meinen Geschichten aus der Region großen Anteil gehabt. Nur icinde yat, Resat Abi.

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Fußball-Hochadel vor Gericht

In der Türkei hat der Prozess wegen des größten Bestechungsskandals in der Sportgeschichte des Landes begonnen. Mehr als 90 Angeklagte, darunter Aziz Yildirim, der Präsident des amtierenden Meisters Fenerbahce Istanbul, sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, in der letzten Saison mehrere Spiele manipuliert zu haben. Yildirim soll damit den Titel für seinen Club mehr oder weniger gekauft haben. Er weist alle Vorwürfe zurück – und wird von den Fenerbahce-Fans gefeiert wie ein Widerstandskämpfer.

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Nachdenken über eine türkisch-arabische Friedenstruppe für Syrien

Offiziell will die türkische Regierung nicht über eine militärische Intervention im Nachbarland Syrien sprechen. Ankara setzt statt dessen zunächst auf die diplomatische Karte und will eine internationale Konferenz organisieren, um eine breite Front gegen das Assad-Regime aufzubauen. Doch hinter den Kulissen hat das Nachdenken über ein militärisches Eingreifen als letztes Mittel begonnen. Zu den Optionen gehören die Aufstellung einer türkisch-arabischen Friedenstruppe und die Schaffung einer Sicherheitszone auf syrischem Boden, in der Zivilisten und Deserteure der syrischen Sicherheitskräfte Zuflucht finden könnten.

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Transatlantischer Streit: Erdogan schimpft über Paul Auster

Der türkische Ministerpräsident ist als Politiker bekannt, der keinem Streit aus dem Weg geht. Derzeit macht Erdogan seinem Ruf wieder einmal alle Ehre. Er zog über den US-Autor Paul Auster her, der einen Besuch in der Türkei mit Hinweis auf die Inhaftierung von Journalisten abgelehnt hatte. Auster habe keine Ahnung, sagte Erdogan. Mehrere Intellektuelle in der Türkei geben Auster recht und schämen sich für ihren Premier. Und wie um Auster zu bestätigen, verurteilte ein türkisches Gericht jetzt eine Studentin zu einer Bewährungsstrafe, weil sie in einem Zeitungsartikel der Leitung ihrer Universität einen Rechtsbruch vorgeworfen hatte.

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Schick und gottesfürchtig: Türkisches Magazin für Kopftuch-Mode ist ein Hit

Wenn Kopftuchfrauen in der Türkei nach einem schicken neuen Outfit suchen, dann greifen sie zu „Ala“, der ersten Modezeitschrift für Fashion-verrückte konservative Musliminnen. „Ala“ ist nach Angaben des Verlages ein Riesenerfolg – das Magazin ist aber auch sichtbarer Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels im einzigen muslimischen EU-Bewerberstaat. Die neuen muslimische Elite, die unter Erdogan zu Geld und Einfluss gekommen ist, sieht keinen Grund mehr, ihren Wohlstand und ihren Lebensstil schamhaft zu verstecken.

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Bruderkämpfe im neuen Nahen Osten

Nach dem Arabischen Frühling vertiefen sich die Gegensätze zwischen einem sunnitischen und schiitischen Block in der Region. Die Differenzen zwischen den beiden muslimischen Glaubensrichtungen gehen zwar bis ins siebte Jahrhundert zurück, doch in der unruhigen Lage in Nahost nach dem Abzug der USA aus dem Irak und nach den Umstürzen des Arabischen Frühlings treten die uralten Rivalitäten mit neuer Frische hervor. Das säkuläre, aber mehrheitlich sunnitische Nato-Land Türkei mischt munter mit.

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Türkei als Vorreiter: Erstausstrahlung von “Shoah” durch Staatssender in muslimischem Land

Zum ersten Mal ist die Holocaust-Dokumentation “Shoah” in einem staatlichen Fernsehsender eines muslimischen Landes zu sehen. Der türkische Staatssender TRT begann am Vorabend des internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar mit der Ausstrahlung des neunstündigen Films. Die mit türkischen Untertiteln versehene Version von “Shoah” soll in mehreren einstündigen Episoden in den kommenden Wochen zu sehen sein. Regisseur Claude Lanzmann sprach von einem Signal von historischer Tragweite.

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Ankara nach dem Pariser Genozid-Votum: Zorn, Wut – und Zurückhaltung

Recep Tayyip Erdogan ist ein Freund klarer Worte. Und so beschrieb er das am 23. Januar beschlossene Genozid-Gesetz Frankreichs, das die öffentliche Leugnung eines türkischen Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellt, als Ausdruck von “Rassismus”, “Türkenfeindlichkeit” und einer “Mittelalter-Mentalität”. Doch auf die angedrohten neuen Sanktionen gegen Paris verzichtete der türkische Premier. Er hofft darauf, dass das Gesetz vom französischen Verfassungsrat zu Fall gebracht wird, bevor es in Kraft tritt. Erdogans Vorsicht hat vor allem einen Grund: Die Türkei will nicht ein weiteres Mal als Staat dastehen, dessen Politiker vor lauter Wut durch die Decke gehen und aus Zorn schnelle und unbedachte Entscheidungen treffen. Deshalb zwingt sich Erdogan zur Geduld. Auch wenn es ihm sichtlich schwerfällt.

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Kann ein Jude ein “echter” Türke sein?

Wie in vielen anderen Ländern auch wird die Auswahl des nationalen Beitrags für den Eurovision Song Contest in der Türkei heftig diskutiert. In diesem Jahr sogar noch etwas heftiger als sonst. Denn der Staatssender TRT, der in der Türkei für die Auswahl der Eurovisions-Kandidaten zuständig ist, hat sich für den jungen Sänger Can Bonomo entschieden. Der 24-jährige aus dem westtürkischen Izmir (hier ist eines seiner Lieder) war seinen Landsleuten bisher weitgehend unbekannt – und er ist Jude. Bonomos Religionszugehörigkeit hat insbesonders in islamistischen Kreisen scharfe Kritik hervorgerufen. Der Sänger verteidigt sich mit dem Argument, er sei Türke und eben auch Jude.

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Urteil im Dink-Prozess: “Sie haben uns zum Narren gehalten”

Die Polizei erfährt von einem Mordkomplott gegen einen der prominentesten Journalisten des Landes, der im Visier von Rechtsradikal steht. Sogar den Typ der Waffe, die bei dem Anschlag verwendet werden soll, ist den Beamten bekannt. Und doch tun die Behörden nichts, um das Verbrechen zu verhindern, möglicherweise stacheln sie die Mörder sogar an. Fünf Jahre später verurteilt ein Gericht einen der Rechtsextremisten zu lebenslanger Haft, sieht aber keine Hinweise für eine Verschwörung - kein Wunder, dass das Urteil im Prozess gegen die Mörder von Hrant Dink in der Türkei von den Anwälten der Opferfamilie als schlechter Witz kritisiert wird: “Sie haben uns zum Narren gehalten”, sagte die Dink-Anwältin Fethiye Cetin nach Verkündung der Entscheidung. Cetin und andere wollen trotzdem versuchen, der Wahrheit auf den Grund zu gehen – wenn nötig mit einem neuen Prozess.

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