Recep Tayyip Erdogan ist ein Freund klarer Worte. Und so beschrieb er das am 23. Januar beschlossene Genozid-Gesetz Frankreichs, das die öffentliche Leugnung eines türkischen Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellt, als Ausdruck von “Rassismus”, “Türkenfeindlichkeit” und einer “Mittelalter-Mentalität”. Doch auf die angedrohten neuen Sanktionen gegen Paris verzichtete der türkische Premier. Er hofft darauf, dass das Gesetz vom französischen Verfassungsrat zu Fall gebracht wird, bevor es in Kraft tritt. Erdogans Vorsicht hat vor allem einen Grund: Die Türkei will nicht ein weiteres Mal als Staat dastehen, dessen Politiker vor lauter Wut durch die Decke gehen und aus Zorn schnelle und unbedachte Entscheidungen treffen. Deshalb zwingt sich Erdogan zur Geduld. Auch wenn es ihm sichtlich schwerfällt.
Ankara nach dem Pariser Genozid-Votum: Zorn, Wut – und Zurückhaltung
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